Funcke-Vortrag: Wittram, Mönche Hof und Kuhlgatz Hof

Walter-Wilhelm Funcke beim Vortrag. Foto: Ehrenheim-Schmidt

»Firmen in Einbeck um 1900« – das war nach der Jahreshauptversammlung des Einbecker Geschichtsvereins im vergangenen Jahr ein Vortragsthema von Walter-Wilhelm Funcke. Der diesjährigen Versammlung folgte die Fortsetzung.

Nach der Ver- und Entsorgung ging es nun mit der Ernährung, beziehungsweise Landwirtschaft sowie Firmen weiter. Zuvor hatte er bereits von anderer Boden-Nutzung in der Region berichtet: Salzgewinnung, Kalibergbau, Kies, Ton sowie Eisenerz in Markoldendorf.

Als »Fünfte Fruchtfolge« kennt der Bauer das Bauland, erklärte Funcke und stellte mit Fotos den früheren landwirtschaftlichen Betrieb von Wittram an der Grimsehlstraße/Ecke Rosental vor (1882 bis 1909). Im Rosental gründete 1919 Heinrich Raabe die Formstecherei Südhannoversche Druckwalzenfabrik. Mit einem Atelier aus Hannover vereinigte er das Ganze 1929 in Einbeck zu den »Kunstgewerblichen Werkstätten«, die sich im einstigen Wittram’schen Ochsenstall befanden. Erneut mit Gegensatz-Fotos – früher und heute –sowie mit Kennzeichnungs-Pfeilen stellte er weitere Firmen im Rosental vor: »Weinhandel und Liqueur-Fabrik Max Reuschel«, erbaut 1902 oder das »Tapeten- und Farbwaaren-Geschäft« von W. Hampe.

Über den Wittram-Betrieb führte der Weg zum Mönche Hof, 1960/62 abgerissen und überbaut. Eine Scheune von 780 Quadratmetern, Platz für Vieh, eine Remise, eine Brennerei seit 1834 und ein Verwaltungs- und Wohnhaus beinhaltete das Areal zwischen Hullerser und Papenstraße. »Die große Hofstelle diente als Vorwerk der Verwaltung der Klosterbesitzungen«. Von 1834 bis 1851 war ein Gottlieb Spangenberg Pächter. Dessen Sohn kaufte den Hof von der Braunschweiger Domänenkammer. Von 1872 bis 1959 waren Rabbethges Pächter. Sogar Mägde und Knechte hat Funcke ermittelt.

Wie immer ganz detailliert recherchiert mit Angaben aus Zeitungen, Adressbüchern, weiteren Quellen, Urkunden Plänen, einem großen Dank an Dr. Thomas Kellmann und Erkenntnissen aus dessen Hausstellen-Katalog sowie vielen historischen Fotos, auch von Hellmut Hainski, präsentierte Funcke seinen Vortrag. Über eine Anna Spangenberg als Eigentümerin, dann einen Carl Gade – den Grabstein entdeckte Hainski auf dem Alexandri-Friedhof – sowie eine Erbengemeinschaft Gade/Stalmann führte er die Zuhörer hin zum »Haus Sumatra«. Georg Stalmann (1858 bis 1931), verheiratet mit Marie Gade (1865 bis 1938), hatte eine große Plantage in Sumatra, kam zurück und ließ diese Villa bauen – heute Sitz der EWG.

Im zweiten Teil folgte der Kuhlgatz’sche Hof, zwischen Papenstraße und Hägerstraße. Funckes detaillierte Erklärungen erst machten die historischen Fotos lebendig: Lade-Erker, eingeschossige Remise, daneben ein zweigeschossiges Gebäude, in dem rund 100 Jahre eine Brennerei war, ein dreigeschossiges Hauptgebäude sowie ein weiterer Bau mit zwei Etagen. Vorne, an der Benser Straße 2, befand sich der Conditor Struve, um 1970 folgte hier das Café Wenge, 1980 eine Sozialstation. An der Hägerstraße war die Kuhlgatz-Scheune. Hainskis Abrissfotos von 1979 beeindruckten. Das Parkhaus wurde direkt an das Haupthaus angebaut. Und mit Fotos von völlig leeren Parkflächen ließ Funcke dann die Zuhörer ob dieser »Überfüllung« schmunzeln.

Der Oeconom Friedrich Kuhlgatz war Ausschussmitglied der Actien-Zucker-Fabrik, zusammen mit dem Banquier Düsenberg, dem Oekonom Spangenberg, dem Kaufmann Krome, dem Kaufmann Domeier, dem Gastwirt Wedemeyer und dem Offizier Carl Gade, um nur einige Namen dieses »Who is Who« von 1858 zu nennen. Der Sohn Albert wurde auf dem Crucis-Kirchhof begraben, Über einen Kuhlgatz amüsierte sich auch 1884 die »Vossische« in Berlin, weil dieser versuchte, Wein aus Rüben herzustellen. Das hiesige Kreisblatt ergänzte dies um einige Rübenwein-Namen: »Château Kuhlgatz« oder »Benserfelder Auslese«. Unter Lachen und Applaus im Saal des Hotel »Panorama« wurde dieser Vortrag von Walter-Wilhelm Funcke beendet.

Delia Ehrenheim-Schmidt