Wie das Wendfeld an der Hube zu Einbeck kam

Dr. Stefan Teuber (l.) und Marco Strohmeier auf Spurensuche unweit des Wendfeldes. Foto: privat

Vielen Menschen in der Region ist das Wendfeld von ihren Wanderungen um und über die Hube noch immer ein Begriff. Die Geschichte, die sich hinter diesem heutigen Waldstück im Einbecker Märchenwald verbirgt, ist aber weitestgehend in Vergessenheit geraten. Vor genau 400 Jahren kam das bis dahin braunschweigische, zuletzt zum Amt Greene gehörige Wendfeld gegen die Zahlung von 6500 Talern an die Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel in den Besitz der Stadt Einbeck. Das Stadtgebiet wurde durch diesen Kauf um eine Fläche von etwa 100 ha vergrößert.

Vorausgegangen war ein jahrzehntelanger Streit um das Nutzungsrecht an diesem Gebiet zwischen der Stadt Einbeck auf der einen und dem Amt Greene mit den Dörfern Brunsen und Holtershausen auf der anderen Seite. Auch die Herzöge, welche der Stadt das Gebiet mehrfach urkundlich überließen, hielten gewisse Ansprüche daran.

Die Ursprünge dieses Streits waren im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit geraten und selbst dem bekannten Einbecker Stadthistoriker Heinrich Ludolph Harland, der in seinen „Historischen Merkwürdigkeiten zur Hube“ viel über die Geschichte dieser Region schrieb, nicht ersichtlich.

Erst durch die intensive Aufarbeitung einer Klosterlegende bei Holtershausen für ein Buchprojekt des Einbecker Geschichtsvereines durch den ehemaligen Einbecker Stadtarchäologen Dr. Stefan Teuber und Marco Strohmeier konnte Licht ins Dunkel dieses Streites um das Wendfeld gebracht werden.

So gelang es in zahlreichen Archiven altes Urkundenmaterial und historische Karten zusammenzutragen, die zu einigen Geländeerkundungen und genaueren Untersuchungen führten. Das heutige Bild der Geschehnisse um die Hube ist nun durch diese Arbeiten ein völlig anderes als noch vor einigen Jahren.

In Urkunden des frühen 15. Jahrhunderts lässt sich bei der Hube die Existenz eines Abtshofes belegen, welcher einst dem Zisterzienser Kloster in Amelungsborn gehörte und dann ab 1421 durch Schenkungen an das Augustiner-Eremiten Kloster zu Einbeck kam. Die Größe dieses Abtshofes samt Ländereien wurde in den Urkunden mit 16 Hufen (ca. 120 Hektar) in Feldern, Wiesen und Hopfengärten angegeben. Es war ebenfalls bekannt, dass die Augustiner Mönche aus Einbeck ab 1385 Stück für die Stück des Dorfes Holtershausen und weitere Hufen Landes hinter der Hube erwarben und dieses kleine Dorf 1508 vom Herzog zum „ewigen Besitz“ geschenkt bekamen.

Im Zuge der Reformation um 1537 und der damit erfolgten Auflösung des Klosterbesitzes der Augustiner-Eremiten zu Einbeck fiel das Land und das Dorf Holtershausen an den Herzog zurück.

Aus dem Greener Erbregistern von 1548 und 1568 konnten in diesem Kontext wichtige neue Hinweise gewonnen werden. Darin heißt es beispielsweise:

„Die Stadt Einbeck hat ein Klein Holz, heißt das Wendfeld, liegt zwischen ihrer Landwehr und dem Grenischen Geholze, gebrauchen sich der Holzordnung, haben allein das Holz, Laub und Gras, Weide hat Mgf. und Herr nach dem Hause Greene und die Dorfschaft Brauntzen und Holderßhausen….“

Und zum Ursprung des Wendfeldes wird aufgeführt:

„Die Fürsten von Grubenhagen haben ein ordt, geheißen der Monnich Wentfeld, ist begraben, haat auch tages gehorest zu dem verstöretten Closter zu Einbeck undt haben die Leute in Handen zu handtschlag, geben jenen Fürstlichen jehrlichs davor Habbern 6 Scheffel undt hat ungefehrlich 7 Huffen.

Das Wendfeld war einst also auch als „Monnich Wentfeld“ (Mönche Wendfeld) bekannt, nun begraben- also wüst- und gehörte, wie auch der Ort Holtershausen, zu dem durch den Stadtbrand zerstörten Augustiner Eremiten Kloster in Einbeck. Die Einbecker beanspruchten die Holznutzung, während die Dörfer Brunsen und Holtershausen im Amt Greene auf ihr Weiderecht im Wendfeld bestanden.

Dieser nur per Handschlag abgeschlossene Vertrag führte daraufhin zwangsläufig zum bereits erwähnten jahrzehntelangen Streit um die ungeklärten Nutzungsrechte des Wendfeldes. Zahlreiche historische Akten und Gerichtsunterlagen zeugen von diesen Streitigkeiten.

Im Jahr 1620 kam es dann endlich zu einer Einigung, die am 2. Mai gleichen Jahres zu einem historischen Ereignis führte, welches in den Unterlagen wie folgt überliefert wurde:

Die fürstl. braunschweigischen Bevollmächtigten, der Oberförster Anton Koch und der Amtmann zu Greene, Anton Hottelmann, übergeben dem Rate der Stadt Einbeck das Wendfeld mit seinen Gerechtigkeiten gemäß dem inserierten Kaufvertrag der Stadt mit dem Herzog Friedrich Ulrich von Wolfenbüttel vom 21. März 1620. Die anwesenden Männer der Dörfer Brunsen und Holtershausen verzichten auf ihr bisheriges Recht der Mast und Grashute, nachdem sie anderweitig dafür entschädigt worden sind, und zeigen dem Rat die Schnede und Wanne des Wendfeldes; nach dieser Ausweisung soll Graben und Knick um das Wendfeld gezogen werden.
Gegenwärtig sind auf dem Wendfeld gegenüber dem Greener Holz auf der sog. Mönnekliet (Mönchelieth):
1) Die Braunschweigischen Bevollmächtigten

2) von der Stadt: Lic. jur. Heinrich Petraeus, Syndicus; Bürgermeister Henrich Koch, Jobst Iffland, Melchior Dralle, Riedemeister; Johann Olemann und Jobst Knoke, Bauherren; Balthasar Ernst, Kaufgildemeister; Christoph Einbeck, Meinheitsgildenmeister; Christoph Kromen, Schustergildenmeister; Caspar Eggel, Bäckergildenmeister und Harmen Munschen, Knochenhauergildemeister

3) Bauern von Brunsen: Heiner Schlimme, Jobst Hase, Zacharias Brinckmann, Hans Meyer, Jakob papenberg, Harmen Bode, Cord Wegener, Cort Papenberg, Cord Osen, Drewes Lichten, Jürgen Koneken, Martin Gerken, Mies Leffoldt, Cort schlimme, Alb. Boker, Claus Hampe, Henrich Wilers

4) Bauern aus Holtershausen: Heinrich Bode, Jobst Hentze, Gerke Bode, Andreas Bruni, Henni Obermann

Zeugen: Curt Schlimme aus Bartshausen, Tile Hartmann, Schafmeister zu Greene; Jobst Papenberg und Matthäus Metken aus Andershausen
Notar: Christoph Schuwicht

Nach diesen Anweisungen wurde dann eine neue Landwehr um das Wendfeld gezogen, so dass es noch heute zu der kuriosen Situation kommt, dass das Wendfeld gegen Einbeck von der alten Landwehr von um 1400 und nach Norden, zum Amt Greene, von der neuen, ab 1620 erbauten, Landwehr umschlossen ist.

Ausführliche Informationen und die neuesten Erkenntnisse zu diesem Ereignis und der Legende eines Klosters bei Holtershausen an der Hube werden demnächst mit zahlreichen Abbildungen und Urkundenbelegen in dem Buch „Der vergessene Klosterhof an der Hube bei Einbeck“ von Stefan Teuber und Marco Strohmeier, welches in einer Buchreihe des Einbecker Geschichtsvereines erscheinen wird, veröffentlicht.

Marco Strohmeier

Das Wendfeld mit den beiden Landwehren, rot = alte Landwehr von um 1400 und blau = neue Landwehr von 1620, aus: Karte des Einbecker Stadt-Gehöltzes von Johann Arnold Hallensen 1721, Stadtarchiv Einbeck